Gegen Verschweigen und Vergessen

Di., 26. November 2019, kinokis mikrokino #243
19.00 Uhr depot, Breitegasse 3

Gegen Verschweigen und Vergessen

Filmstill aus: Eine eiserne Kassette (Olger 2018)
Als sein Großvater stirbt, findet Nils Olger in dessen Nachlass eine Rolle mit 377 Fotografien, die er beim letzten Kriegseinsatz zwischen März 1944 und April 1945 aufgenommen hatte. Der Filmemacher folgt der Spur der Negative an die Orte ihrer Entstehung, arbeitet seine Familienbiografie auf und bringt die Verdrängung der österreichischen NS-Geschichte zur Sprache.

Eine eiserne Kassette (R: Nils Olger, A/D 2018, 102min.)

Eine  Kassette aus Großmutters Wandschrank wird zur Büchse der Pandora als Nils Olger sich auf den Weg macht, um die Lücken in der familiären Erinnerung zu schließen. Den begütigenden Aussagen seiner Großmutter setzt er akribische Recherchearbeit entgegen, fragt nach und geht dahin, wo die Bilder gemacht wurden: in Ungarn, im heutigen Rumänien, wo die Kompanie des Großvaters stationiert war, nahe eines Ghettos, und später in Italien, in der Gegend um Carrara.

„Das Bild meines Großvaters, wie ich ihn gekannt habe, existiert nicht mehr“, stellt der Filmemacher am Ende fest: „Er hat den Tätern geholfen und vor den Opfern geschwiegen. So werde ich ihn in Erinnerung behalten.“

Anschließend Gespräch mit Nils Olger

Whatever Happened to Gelitin


Do. 13. Juni 2019, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino

Whatever Happened to Gelitin
Regie: Angela Christlieb, Ö, 2016 , 82 min.

Angela Christlieb portraitiert die Künstlergruppe Gelitin, ein Quartett von fröhlich anarchistischen Quertreibern, Querulanten, Quastenschüttlern, Qualitätsfäkalierern. Das Ergebnis ist ein sehr lustiger Dokumentarfilm, ein Propagandastreifen für die letzte Lockerung, eine Schocktherapie für Zwangsneurotikerinnen, eine Gnackwatschn für übereifrige Überichs.

Anschließend Diskussion mit Angela Christlieb.

25 Jahre Zapatistas

Do. 16. Mai 2019, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino

Nicht nur Kaffee für eine bessere Welt!

Seit ihrem Aufstand 1994 kämpfen die Zapatistas im Südosten Mexikos gegen Ausbeutung, Diskriminierung und Naturzerstörung. Im Verlauf ihrer nunmehr 25 Jahre andauernden Rebellion haben sie beachtliche Strukturen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Rechtsprechung, Wirtschaft, Medien und Selbstverwaltung aufgebaut. Entgegen aller Hindernisse durch die offizielle mexikanische Politik arbeiten die Aufständischen unermüdlich an der Konstruktion einer guten Regierung und einer gerechteren Gesellschaft. Dabei spielen die Bemühung um einen gerechten Handel eine zentrale Rolle.
Der Verein Zwischenzeit engagiert sich seit Jahren im Vetrieb von fair gehandeltem zapatistischem Kaffee. Luz Kerkeling und Dorit Siemers haben diese Bemühungen filmisch dokumentiert und berichten von ihrer jüngsten Reise ins zapatistische Gebiet.

Kaffee für eine bessere Welt
(Mex/D, R: Luz Kerkeling und Dorit Siemers, Zwischenzeit e.V. Münster 20018, 26min.

Seit 1994 bauen zapatistische Genossenschaften Kaffee in Selbstverwaltung an. Dieser ökologisch-solidarische Kaffee für eine "rebellische Würde" wird vm Kollektiv Aroma Zapatista in Hamburg importiert, verarbeitet und vertrieben. So ist es gelungen, eine solidarische Handelsbeziehung aufzubauen, die weit über die Standards des fairen Handels hinausgeht. In der Dokumentation berichten Angehörige der zapatistischen Bewegung sowie der Hamburger Kollektive über ihre Erfahrungen, ihre Alltagspraxis, ihre Ziele und ihre Zukunftspläne.

Anschließend Gespräch mit Luz Kerkeling, Dorit Siemers und Jens Kastner.

Driftende Gewissheiten

Do. 11. April 2019, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino

Driftende Gewissheiten

Den Wohnort zu ändern kann den Standpunkt zur Fluchtlinie machen. Flucht und Migration setzen nicht nur Menschen in Bewegung, sondern auch Weltbilder, Überzeugungen, kulturelle Codes. Als Person fragt man sich: Wer hält mir welchen Spiegel vor, an wessen Ansprüchen messe ich mich? Bemühe ich mich, die Person zu sein, für die man mich hält oder das Gegenteil davon? Als Gesellschaft: Was bewegt uns wohin? Und warum? Ein Kurzfilmprogramm, das Gewissheiten und Gewohnheiten, Wahrnehmungsmuster und Glaubenssätze ins Wanken bringt.

In Zusammenarbeit mit dem Verein Cardamom&Nelke, der mit der Verleihung des Widerstandskinofilmpreises sich für die Sichtbarmachung dieser Positionen einsetzt und der Initiative #KlappeAuf, die sie verbreitet.

Der unfertige Mann (Bagher Ahmadi,  6:20 min)
Fruitless- XIRIṢ (Sarkaut Mostefa, 8Min46)
Seeds (Maryam Sehhat, Leila Samari, 2 min)
Der Morgenmensch (Özgur Anil, 5 min)
Happy New year (Bagher Ahmadi, 1 min)
The mirror of the lake (Maryam Sehhat, Leila Samari, 2:26 min)
Die Interpretation, die ich will  (Jivan Shahin & Victor Kössl, 3 min)
Integrate (Andreas Steinkogler, 1 min)
Die Geschichte vom Eisbär, der nach Afrika wollte (Mo Harawe, 27:30)
Haram (Mahir Yildiz, 11 min)
Das habe ich mir schon immer gedacht. Du nicht? (Sallar Othman, 8:45 min)
PPC Airlines (PPC-Kollektiv, 3 min)
Armaggedon (Kurdwin Ayoub, 4 min)

Weltrevolution

Do. 21. März 2019, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino
Weltrevolution

Stefan Weber in: "Weltrevolution"
Der Film über die vom Zeichenlehrer Stefan Weber gegründeten Drahdiwaberl ist so frech, fröhlich, ungeniert und radikal wie die legendäre Band und ihr im Juni 2018 verstorbener Leader, den man als warmherzigen und klugen Anarchisten erleben darf. Das Portrait der Skandale, die Drahdiwaberl ausgelöst hat, und der Skandale, die Drahdiwaberl auf die Mistgabel ihrer scham- und schonungslosen Attacken spießen, ist ein zeitgeschichtlicher Parcours mit vielen ästhetisch gewagten Saltos durch 30 Jahre Österreich: von 1978 bis 2007.  

Weltrevolution (AT 2008, R: Klaus Hundsbichler, 90min., mit Stefan Weber, Drahdiwaberl und FreundInnen)

Anschließend Gespräch mit dem Regisseur Klaus Hundsbichler

The Revenge of the Incomplete

Do. 7. Februar 2019, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino
 
Filmstill: A week with Azar
Art and Resistance in Exile

Tara Najd Ahmadi presents a series of short films, which at the same time allow a very personal and quite political insight into the artistic struggle of a female Iranian expat. Ahmadi is trained in Visual Communication and Animation at the University of Tehran, and a graduate fellow of Visual and Cultural Studies at the University of Rochester, USA. For both her artistic work and her scientific investigations she received several grants and awards, in 2018 she held a fellowship at the George Eastman Museum in Rochester.

Artist Talk and Discussion with Tara Najd Ahmadi

A Week with Azar (short experimental documentary film, based on a true story).
Productive Frustration (a short experimental film investigating an artist’s struggle).
Gut Theory (a stop motion animation that explores commodity and cultural consumerism).
Measuring the Level of Resistance (resistance as an everyday life activity, using three of the Iranians' basic foods).

Die Rückeroberung des Paradieses

Do. 24.Jänner 2019, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino

Die Rückeroberung des Paradieses
Filmstill aus: Recuperando el Paraíso (2017)
„Recuperando el Paraíso“ (Die Rückeroberung des Paradieses) ist ein unabhängiger Dokumentarfilm über den Widerstand der indigenen Bevölkerung in Santa María Ostula an der mexikanischen Pazifikküste von Michoacan gegen die Übergriffe organisierter Banden und staatlicher Ordnungskräfte. Die Doku erzählt von Vertreibungen, Entführungen und Morden, der sich die Bevölkerung seit 2009 ausgesetzt sieht, aber auch von ihrem Entschluss, in der Region kommunale Polizeikräfte zu organisieren, und sich zu bewaffnen, um ihre Gemeinde und Anbaugebiete zurück zu erobern.

Recuperando el Paraíso (Mex. 2017, R: José Arteaga und Rafael Camacho, 72min., Original mit englischen Untertiteln). Das Filmprojekt wurde mit der Unterstützung der Autonomen Kommunikationsagentur Subversiones realisiert () und wird in Kooperation mit dem Solidaritätskollektiv México-Austria präsentiert.

Anschließend Gespräch mit der Regie-Assistentin Regina López

Das schönste Land der Welt

Do. 6. Dezember2018, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino

Filmstill aus: Das schönste Land der Welt
Das schönste Land der Welt
Regie: Želimir Žilnik (AT/HR/SI/RS 2018) 101 min.

Želimir Žilnik, der Großmeister des armen Filmes, hat sein neuestes Werk in Wien gedreht. Einen Film, der die Geschichten Geflüchteter und Immigrierter in Wien witzig und gewitzt, präzise und mitreißend auf den Punkt bringt. Žilniks Arbeitsweise, das Drehbuch während der Arbeit mit den SchauspielerInnen zu erarbeiten, ihr Wissen und ihre Erfahrungen einfließen zu lassen, ohne sie zur reinen Selbstdarstellung zu verurteilen, ergibt einen unglaublich ehrlich gespielten Dokumentarfilm. Oder einen unfassbar realen Spielfilm. Jedenfalls einen Film, der sichtbar und spürbar macht, wie politische Entscheidungen die Lebensentwürfe der Menschen durchkreuzen. Und was die Menschen tun, um sich das nicht gefallen zu lassen.

Anschließend Gespräch mit  Želimir Žilnik

Der Zirkel

Do. 22. November 2018, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino

Der Zirkel. Über die unmöglichen Möglichkeiten biographischer Forschung

Die Zeitschrift "Der Zirkel"
Die jüngste Ausgabe der von Peter Schreiner herausgegebenen Fachzeitschrift für Zeitgeschichte "Der Zirkel" widmet sich der Frage nach den Möglichkeiten der Rekonstruktion von Biographien vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum der Forschung stehen die vielfältigen Schwierigkeiten einer historischen Untersuchung der Gegenwart: unvollständige Archive, disparate Materialien und unsystematische Bemühungen von AmateurforscherInnen. Auf den Spuren eines gewissen Kurt Günther Maria Fride wird die kritische Untersuchung von bereits konstruierten Sinnstiftungen zu einer Suche nach dem Sinn dieser Konstruktionen selbst.

Forschungsgespräch mit Peter Schreiner

Warum die Wunde offen bleibt

Do. 4. Oktober 2018, 19:00 depot, Breitegasse 3
Berufsbild KünstlerIn in Kooperation mit kinokis mikrokino

Warum die Wunde offen bleibt
Regie: Marika Schmiedt (Ö 2016) 80 min.

Marika Schmiedt in: Warum die Wunde offen bleibt
Der neueste Dokumentarfilm der kämpferischen Künstlerin und Aktivistin Marika Schmiedt beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des Holocausts an Roma und Sinti durch die nächsten Generationen. Im Mittelpunkt des Films stehen Gespräche mit drei beeindruckenden Frauen: Anna Gleirscher-Entner arbeitet seit Jahren als psychosoziale Beraterin und hat das Sachbuch „Das Unaussprechliche in der psychosozialen Beratung von Sinti und Roma“ verfasst. Das Schweigen über den Holocaust, über die Vertreibung und Ermordung von Familienmitgliedern, führten sie schlussendlich zu dem „Tabubruch“, öffentlich über kollektive und individuelle Traumata zu reden und zu publizieren. Elisabeth Brainin, Psychoanalytikerin, berichtet über psychologische Hintergründe der sogenannten Mehrheitsgesellschaft. Die Schriftstellerin und Aktivistin Simone Schönett erzählt vom Verdecken, Verstecken und von der Assimilation gegen die sie anschreibt.

Anschließend Gespräch mit Marika Schmiedt